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Arndt Bleimann bei der Ironman 70.3 WM in Clearwater, Florida

gepostet von Joerg-Sittig um 16:21:18 19.11.2009
Arndt Bleimann bei der Ironman 70.3 WM in Clearwater, Florida
Nachdem ich mich in Wiesbaden im Sommer 2009 bei brütender Hitze mit einer absolut enttäuschenden Leistung und viel viel Glück für die Ironman 70.3 WM in Clearwater / Florida qualifiziert habe bin ich am Samstag, den 07.11.2009 die Reise nach Florida angetreten.
Ich war sehr gespannt was mich „Übersee“ sowohl sportlich als auch „amerkanisch“ erwartete – es war meine erste Reise in die USA (und bestimmt nicht die Letzte um ein wenig vorweg zu nehmen).
Geflogen bin ich von Frankfurt über Chicago nach Tampa. Beide Flüge waren angenehm – die Zeit ging recht zügig um und ich merkte schnell, dass ich nicht als einziger Athlet nach Florida unterwegs war. Irgendwie erkennt man Seinesgleichen (bzw. seine Gegner) doch – nicht zuletzt an den Radkoffern beim einchecken - So wurden wir als große Gruppe um Mitternacht Ortszeit am Flughafen in Tampa/Florida abgeholt – ES WAR WARM !!! - eine Wohltat nach dem Schmuddelwetter hier als wir losfuhren. Eine halbstündige Autofahrt lag noch vor uns bevor ich mich in mein ersehntes Bett schmeißen konnte, da ich die gesamte Reise wach geblieben bin um die Zeitumstellung besser zu kompensieren.
Am nächsten morgen (Sonntag) bin ich sofort vorm Frühstück ne ¾ Std. im Golf von Mexico geschwommen – irgendwie schön dachte ich, dessen Element das Wasser nun wirklich nicht ist – die Reisestrapazen waren vergessen. Nachmittags sind wir noch, nachdem wir die Räder montiert haben 2 Std locker gerollt – 30 km schnurgerade aus, gewendet und zurück. Hab ich schon mal nen Geschmack erhalten, was mich beim Wettkampf hier erwartet. Schön waren die Häuser, Villen und vielen Yachthäfen entlang der Strecke… und die Sonne natürlich. Empfehlungen erfahrener Athleten folgend, sollte das für die nächste Woche meine Radtrainingstrecke werden, da die Wettkampfstrecke viel zu gefährlich sei bei „Nichtsperrung“ zu befahren.
In Clearwater Beach, wo wir 200m von der Wechselzone und dem Zielbereich entfernt wohnten, war eine Woche vor dem Wettkampf schon alles auf Ironman 70.3 WM geeicht. Verkaufsstände, Zelte, Aufbauarbeiten in der Wechselzone, etc. … ließen ab und zu schon mal ein Kribbeln im Bauch zu. Ich war glücklich hier zu sein, auch wenn uns zwei Tage Ausläufer des Hurricane bzw. Tropical Storm „IDA“ besuchten und uns an einem Nachmittag sogar eine REGENSTUNDE schenkten. Egal – es war warm – der Regenbogen umso schöner! Nur der Wind machte mir sorgen, da es für einen „Nichtschwimmer“ wie mich natürlich bei aufgewühltem Meer noch schwieriger ist zügig nach 1,9 km an Land zu kommen.
Bis zum Donnerstag haben wir dann in netter Runde neben den Schwimm-, Rad- und Lauftrainingseinheiten die Zeit in Florida sehr angenehm genossen. Neben Ausflügen mit Auto, Bus und Yacht haben wir ebenso am Strand in netter Runde die Zeit genossen und den Delphinen beim spielen zugeschaut.
Donnerstag war dann offizielle Eröffnung der WM am Sand Key Beach Resort – einer absolut beeindruckender location. Das haben die Amerikaner drauf. 3000 Leute am Beach, Sonnenuntergang… weißer Sand, riesen Bühne, Soldaten in „Ausgehuniformen“ Nationalhymne, „proud to be american“, Einmarsch der teilnehmenden Nationenflaggen und und und …. Ich hab jetzt noch Gänsehaut.
Freitag gings nach kurzem Training mit entsprechender Vorbelastung und Packen der Wechselbeutel bzw. des Rades zur Radabgabe. Dort wurde uns mitgeteilt, dass aufgrund des immer noch starken Windes das Schwimmen auf die Bay-Seite verlegt werde, da es 1.) zu gefährlich sei und 2.) die Bojen nicht gesetzt werden konnten. Ich war beruhigt jetzt doch irgendwann nach dem Sprung ins Wasser mein Rad in der Wechselzone zu erreichen und nicht im Golf von Mexico herum zutreiben wenn alle anderen schon beim laufen wären J.
Ein sehr netter volunteer hat mich durch die Wechselzone beim Einchecken begleitet, mir alle Wege gezeigt und mir erklärt, dass german guys so schnell seien wie sein BMW, den er eigens in Germany abgeholt hatte – er sollte Recht behalten!! – schneller als der Raelert kann auch kein BMW die Distanz bewältigen. Abends hatte das hannes hawaii Tour Team noch zur Pasta Party eingeladen und die Wettkampfbesprechung auf Deutsch mit einem referee organisiert.
 
Samstag morgen halb fünf klingelt der Wecker – endlich – es war soweit – raceday!! Nach kurzer Dusche, kleinem Frühstück gings zum bodymarking. Die 849 war nun auf meinen Oberarmen. Ich war nervös. Rad checken, Flaschen in die Halter, Luft prüfen – alles im Dunkeln – ab zum Schwimmstart. Geniale Location auf der Bay-Seite – über Nacht hergerichtet – Wahnsinn was die Veranstalter geleistet haben. Aufgehende Sonne, Nationalhymne, tausende Zuschauer ….
Der Schuss aus einer Kanone bedeutete Start für die Profis. Wir age grouper mussten auf Grund der örtlichen Gegebenheiten wie die Lemminge ins Wasser und sofort los. Mein Start zählte ab 7.11 Uhr. Ruhig bleiben dachte ich als erstes im Wasser, nicht hektisch werden, beachten was der BSV dir immer  versucht hat beizubringen … es ging gut - für meine Verhältnisse. Durch das „Lemminge System“ – offiziell hieß dies time trial - waren zu Beginn auch keine Schlägereien, sodass ich mich wirklich gut fühlte beim schwimmen – das erste mal bei einem Wettkampf. Mit 33 min aus dem Wasser bin ich auch zufrieden – arbeite aber weiter dran!
 
Just aus dem Wasser gings zum Neo – Stripping!!!! Hier stehen voulunteers auf dem Weg zur Wechselzone und reißen dir den Neo vom Leib. Man setzt sich auf den Boden, Füße hoch und …. Ziehen lassen, Neo nehmen und weiter zum Beutel. Die Zuschauer hatten ihren Spaß.
 
Endlich auf dem Rad! Hier wollte ich endlich meine bescheidenen Radleistungen der ganzen Saison (insbes. Wiesbaden und im ein oder anderen Ligawettkampf) wieder gut machen und Vollgas fahren – von Beginn an. Fuhr dementsprechend los. Nach 4 km die erste und einzige richtige Steigung – die chauseway bridge – Hier hab ich alles stehen lassen, den dicken Gang durchgedrückt – es lief – dachte ich - aber ich wurde überholt. Der Kerl hatte sofort meinen Respekt. Ich war froh einen Gegner gefundnen zu haben, der mich pushte, so bin ich dem Reglement entsprechend hinterher. Wir haben uns gegenseitig gepusht, das Tempo hochgehalten. Später waren wir zu dritt. Es war einfach nur genial. Es lief super auf dem wahnsinnig schnellen Kurs, so dass wir für die ersten 42 km nur eine Stunde brauchten. Permanent trieben wir uns an, indem jeder auf Tempo drückte. Zum ersten mal in der Saison hatte ich ein gutes Radgefühl. Wahnsinn. Da hier einige Wendepunkte auf der Strecke waren sahen wir auch, warum Clearwater den Namen der „Drafting WM“ trägt. Große Gruppen kamen uns entgegen – frustrierend – aber egal. Das Gefühl regelgerecht zu fahren und dennoch schnell zu sein verlieh mir wahnsinnig Motivation. Letztendlich habe ich dann die 90 km in 2 std 11 min hinter mich gebracht. Ich war guten Mutes. Die von mir im Vorfeld angestrebte Zeit unter 5 std schien von nun an locker zu knacken zu sein. Meine Hochrechnungen ließen mich sogar übermütig werden und ich hatte irgendwas von 4:30 im Kopf.
 
Nach dem Wechsel in die Laufschuhe merkte ich allerdings sofort den 42 Radschnitt. Egal – dachte ich – los. Bin so mit ca. 4.30 / 4.40 min/km los. Mittlerweile war es extrem heiß – in Clearwater die Hölle los. Die Gefahr zu überpacen war sehr groß. Nach 4 km gings zum ersten Mal die Brücke hoch wo die Hannes Hawaii Leute uns anfeuerten. Die nächsten 4 km liefen auch noch nach meinen Vorstellungen. Von km 8 an bin ich jedoch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden und weiß nun wieder wo meine Schwächen liegen – Katastrophe ! Irgendwie ist laufen mehr als laufen und bedarf viel mehr Training insbesondere im Technikbereich als ich dafür opfere. Nunja – mir gings nicht gut . Ab km 12 hab ich dann irgendwie wieder nen „Rythmus“ gefunden – wenn auch sehr gemach – so dass ich dennoch sehr stolz den letzten Kilometer durch Clearwater vor Augen hatte und den Lauf durch die Stadt und auf der Zielgeraden genießen wollte. Ich war schon sehr glücklich mein Ziel, unter 5 Stunden zu finishen, mit letztendlich 4:37 deutlich erreicht zu haben, auch wenn mein kleines Zwischenziel nach dem Radsplit um 7 min verfehlt wurde.


Nach emotionalem Zieleinlauf, Freude mit meinem Vater der mich begleitet hat nach Florida, Jubel mit mittlerweile angefreundeten anderen Athleten habe ich den Rest des Tages am Strand verbracht und regeneriert.
 
Ein kleiner Traum ist wahr geworden.
 
Danke meiner family zu Hause – hab ich sooft gedacht in diesen Momenten, die mir letztendlich die Zeit und das Verständnis geben zu trainieren um all die schönen Dinge zu erleben.
 
Abends war dann noch die offizielle Siegerehrung – wieder am Sand Key Park – wieder so ergreifend wie die Eröffnungsfeier. Nach dem offiziellen Teil hat das Hannes Hawaii Team noch eine amerikanische Kneipe für uns gemietet, um die schöne Woche und das Rennen gemeinsam zu feiern.
PERFEKT!!
Sonntags gings nach Frühstück und Packen noch an den Strand bis dann um 13 Uhr der Bus Richtung Airport Tampa abfuhr.
 
Eine schöne Woche mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen war zu Ende.
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